Von Open Space über Ehrenamts-Sabbatical bis Tandem und QR-Code: Die Gewinnerprojekte des fünften Ideenwettbewerbs „Zukunft Ehrenamt“ zeigen nach den Worten von Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke eindrucksvoll, wie Ehrenamt heute oder in der Zukunft aussehen kann und muss. In diesem Jahr lag ein Schwerpunkt auf der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des demokratischen Miteinanders. Zudem lag ein Fokus auf Fragen, wie die Vereinsarbeit nachhaltig gesichert, neue Mitglieder gewonnen sowie Belastungen, Stress und Zeitdruck reduziert werden können.
Woidke betonte heute bei der Auszeichnungsveranstaltung in Potsdam: „Auch das Ehrenamt wird moderner. Es stützt sich auf Bewährtes und geht den notwendigen Schritt nach vorne. Mit ihren Projekten bringen die Preisträgerinnen und Preisträger das Ehrenamts Brandenburgs entscheidend voran.“ Insgesamt wurden diesmal 67 Projekte eingereicht und damit deutlich mehr als in den drei Jahren zuvor. Aufgrund der hohen Anzahl und Qualität der eingereichten Projektskizzen wurden in diesem Jahr erstmals zwei weitere Projekte prämiert.
Woidke weiter: „Ihre Arbeit stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Landesregierung ist sich bewusst, wie viel Druck auf Ihnen lastet und wie viel Sie für unser gesellschaftliches Miteinander leisten. Dafür gilt allen Engagierten im Land mein allerherzlichster Dank und meine allergrößte Anerkennung.“
Platz 1 mit einem Preisgeld von 5.000 Euro:
Mit dem Projekt „Stachelkugel Notfallhilfe-System“ will der Verein Stachelkugel aus Petershagen/Eggersdorf (Landkreis Märkisch-Oderland) ehrenamtliches Engagement im Wildtierschutz stärken. Woidke: „Kluge Aufklärung und strukturierte Hilfe: Das Stachelkugel Nothilfe System ist ein rundum durchdachtes Projekt, das mit seinem dreistufigen System nicht nur Igel rettet, sondern das Ehrenamt spürbar entlastet und die Bevölkerung befähigt zu handeln.“
Zwei zweite Plätze mit einem Preisgeld von je 2.500 Euro:
Der Verein „Ajax Eichwalde 2000“ (Landkreis Dahme-Spreewald) will neue Wege finden, wie Ehrenamt in einem großen Breitensportverein langfristig sichergestellt werden kann, ohne Einzelne zu überlasten. Woidke: „Mit dem ‚Ajax-Betriebssystem‘ weg von der Überlastung Einzelner, hin zu resilienten Strukturen und geteilter Verantwortung auf vielen Schultern. Ein zukunftsweisendes Projekt, das mit innovativen Ideen wie der Engagement-Ampel und dem Sabbatical-Pass das Ehrenamt flexibler, gesünder und für alle zugänglicher macht.“
Der „Familien-Sport-Verein-Oberhavel“ will mit seinem Projekt „Ehrenamt in Tandems – Gemeinsam Übungsleiter werden“ Menschen mit Migrationshintergrund, die Übungsleiter werden wollen, aber noch sprachliche Schwierigkeiten haben, bei der Ausbildung unterstützen. Woidke: „Dieses Projekt beweist, dass das Ehrenamt eine universelle Sprache spricht – indem es durch starke Tandems Hürden abbaut und aus heutigen Lernenden die Mentoren von morgen macht. Ein von vorne bis hinten durchdachtes Projekt, das Sprachbarrieren in Brücken verwandelt.“
Fünf dritte Plätze mit einem Preisgeld von je 1.000 Euro:
Das „KulturForum Schwielowsee“ e.V. (Potsdam-Mittelmark) plant mit einer Kulturwerkstatt, eine Schnittstelle zwischen Vorstand, Ehrenamtlichen, Künstlern, Bürgern und Kooperationspartnern zu schaffen. Vereinswissen soll gesichert und an neue Engagierte weitergegeben werden. Woidke: „Mit diesem Prjekt wird der Generationenwechsel aktiv in die Hand genommen. Die Kulturwerkstatt bewahrt wertvolles Wissen, verbindet Generationen und sichert die Vereinsarbeit für die Zukunft ab.“
Der Verein „Kult! Kultur in Elbe Elster“ will in seiner Zukunftswerkstatt mit einem regelmäßigen Stammtisch Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Aktuelle Herausforderungen im Vereinsleben sollen besprochen, Bedarfe analysiert und gemeinsam Ideen und Lösungsansätze für die Zukunft entwickelt werden. Woidke: „Modern, hybrid und reichweitenstark: ein großartiger Ansatz, der die Zugänglichkeit zum Ehrenamt im ländlichen Raum sichert, auf Bedarfe aufmerksam macht und seine Vielfalt mit einem Podcast auch digital auf die Bühne holt.“
Die Brandenburgische Sportjugend im Landessportbund Brandenburg (Potsdam) hat das Projekt „TEAMRAUM“ zur Stärkung des jungen Ehrenamts im Sportverein entwickelt. Es schafft moderne und soziale Begegnungsräume für junge Menschen und Ehrenamtliche und verbindet Sport, mentale Gesundheit, digitale Beteiligung und demokratische Mitgestaltung. In Modellvereinen sollen Teamraum-Hubs etabliert werden und niedrigschwellige Angebote, Austausch, Engagement und Unterstützung im Ehrenamt fördern. Woidke: „Vom klassischen Ehrenamt zum modernen Drehkreuz: Dieses Projekt verwandelt Sportvereine in lebendige Hubs der Zusammenarbeit und öffnet Jugendlichen digitale, flexible Wege zum Engagement.“
Der Verein „Altes Pfarrhaus Groß Döbbern“ (Landkreis Spree-Neiße) sieht sich mit seinem Projekt #Ehrenwort – Dein Engagement als Verbindungsstück zwischen Menschen, die sich engagieren wollen und Vereinen und Initiativen, die nach Unterstützung suchen. Es soll ein dorfübergreifender Ehrenamts-Wegweiser entwickelt werden: analog und digital. Am Ende jeden Weges gibt es ein konkretes Angebot samt Beschreibung der Aufgabe und Kontaktdaten der zuständigen Person, und auch einen QR-Code. Woidke: „Das Angebot ist maßgeschneidert, vielleicht geht es nur um die einmalige Hilfe beim Aufbau vor einer Veranstaltung. Wer mitmacht und sein Ehrenwort gibt, erhält eine persönliche Anerkennung als sichtbares Zeichen der Wertschätzung: Hier kann jeder Ja sagen. Ohne Druck. Ohne Dauerverpflichtung und im eigenen Tempo.“
Die Landesgartenschau2027 Wittenberge gGmbH (Prignitz) ruft eine Mitmachkonferenz für die Zukunft des LAGA-Ehrenamts nach 2027 ins Leben. Bei der eintägigen Veranstaltung sollen die 300 bis 500 Ehrenamtlichen selbst bestimmen, wie ihr Engagement nach der LAGA 2027 weitergehen soll. Die Konferenz soll dem Prinzip des Open Space folgen – einem selbstorganisierten Beteiligungsformat, bei dem die Teilnehmenden die Tagesordnung gemeinsam gestalten. Woidke: „Ein weitsichtiges Vorhaben, das den temporären Schwung der Landesgartenschau in eine dauerhafte, kreative Bewegung für das Ehrenamt verwandeln kann.“
Die beiden Zusatzpreise mit je 750 Euro Preisgeld gehen an:
Mit dem „Tag der kleinen Forscher“ will der Kreisfeuerwehrverband Teltow-Fläming e.V. Kinder fürs Ehrenamt begeistern, lange bevor sie Mitglied in einer Jugendfeuerwehr werden können. Vorschulkindern im Landkreis Teltow-Fläming wird so die Möglichkeit gegeben, Feuerwehr und andere Organisationen mit Sicherheitsaufgaben spielerisch, aktiv und hautnah zu erleben. Woidke: „Der Tag der kleinen Forscher schafft früh positive Berührungspunkte mit dem Ehrenamt, stärkt gesellschaftliche Werte wie Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein und trägt dazu bei, Begeisterung für Engagement langfristig zu wecken.“
Bei dem Projekt „Balu & Mogli in Forst: Gemeinsam durch den Dschungel“ des Vereins „NIX“ e.V. (Landkreis Spree-Neiße) steht das bundesweit bewährte Konzept „Balu und Du“ im Fokus. Dabei begleiten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 jeweils ein Grundschulkind ein Jahr lang ehrenamtlich. Woidke: „Wir alle wissen: das Leben ist nicht leicht. Ob Schule oder Alltag: Es kann überall zwicken. Von Älteren als Mentoren zu lernen, hat da schon immer geholfen. In wöchentlichen Treffen erkunden die Tandems die lokale Infrastruktur in Forst. Auch Kindern aus finanzschwachen Familien wird damit soziale Teilhabe ermöglicht.“